Bei Verdacht auf Thromboembolie sofort Heparinisierung beginnen

Lungenembolien sind keine seltenen Ereignisse - sie kommen in der Praxis, im Notdienst und in der Klinik relativ häufig vor. In Deutschland wird die Zahl der tödlichen Lungenembolien auf 20 000 bis 30 000 pro Jahr geschätzt. Die Mortalität steigt mit zunehmendem Alter, berichtet Professor Horst Olschewski in seiner CME-Fortbildungseinheit "Gefäßblockade in der Lunge". Auffallend sei, so der Pneumologe von der Medizinischen Universität Graz, dass die alterskorrigierte Mortalität bei Männern etwa 20 bis 30 Prozent höher liegt als bei Frauen. Wenn eine orale Antikoagulation beendet wurde, ist auch das Rezidivrisiko für Männer etwa 50 Prozent höher als für Frauen.

Über 80 Prozent aller Embolien stammen aus den Becken- oder Beinvenen. Erst vor kurzem wurde erkannt, dass über die Hälfte der Embolien aus den Unterschenkelvenen stammen. Prädisponierende Faktoren für die Entwicklung einer venösen Thromboembolie sind zahlreich - unabhängige Risikofaktoren für einen fatalen Verlauf sind zum Beispiel Immobilisation und Niereninsuffizienz zum Zeitpunkt der Embolie.

Die klinischen Symptome sind sehr variabel. Fast alle Patienten sind dyspnoisch. Etwa jeder zweite klagt über thorakale Schmerzen. Die Mortalität ist überraschenderweise bei Patienten ohne Schmerzen doppelt so hoch wie bei Patienten mit Schmerzen.

Die Diagnose ist häufig schwierig. Weiterhelfen kann die Bestimmung der klinischen Vortestwahrscheinlichkeit. Dafür stehen der Wells- und der modifizierte Geneva-Score zur Verfügung. Beide berücksichtigen die individuelle Risikokonstellation. Patienten mit niedriger Vortestwahrscheinlichkeit und negativem D-Dimer benötigen keine Antikoagulation. Bei mittlerer oder hoher Vortestwahrscheinlichkeit ist der D-Dimer-Spiegel nicht ausreichend sicher. Stattdessen sollte eine CT-Pulmonalisangiografie oder Lungenperfusionsszintigrafie durchgeführt werden.

Patienten mit Verdacht auf eine Lungenembolie sind immer als Notfall zu behandeln. Bei begründetem Verdacht auf eine akute Thromboembolie sollte grundsätzlich sofort die Heparinisierung beginnen, auch wenn noch kein Embolie-Nachweis vorliegt.

Die Indikation zur Lysetherapie wird in Abhängigkeit vom Mortalitätsrisiko gestellt. Sie ist nur bei Patienten mit fulminanter und massiver Lungenembolie eindeutig indiziert. Bei schweren Lungenembolien reduziert die Lysetherapie die Mortalität um mindestens 50 Prozent. Bei hämodynamisch stabilen Patienten mit Lungenembolie hat die Lysetherapie jedoch keine Vorteile. Dagegen treten im Vergleich zur Heparinisierung 13 Prozent mehr Blutungskomplikationen unter einer Lysetherapie auf. Nutzen und Risiko müssen daher gut abgewogen werden. Als Faustregel gilt, dass eine Lysetherapie gerechtfertigt ist, wenn das Mortalitätsrisiko infolge der Embolie mehr als fünf Prozent beträgt.

Gegenwärtig wird für die Lyse überwiegend Tissue-Plasminogen-Aktivator (TPA) verwendet. Sofort werden 10 bis 20 mg intravenös appliziert. Die restlichen 80 bis 90 mg werden gleichmäßig über die nächsten 1,5 bis 2 Stunden infundiert. Gleichzeitig beginnt die therapeutische Heparinisierung.

Zu dem Modul "Gefäßblockade in der Lunge"


Quelle: © Ärzte Zeitung, 29.04.2010
Autor: otc
Stand: 11-05-2010




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