Post-WHI-Zeitalter: Was denken Ärzte und Anwenderinnen über die HRT?

Hintergrund und Studienziel

Der Kombi-Arm der Women’s Health Initiative (WHI) wurde nicht zuletzt aufgrund eines erhöhten Brustkrebsrisikos unter den Anwenderinnen einer Hormonersatztherapie (HRT) mit konjugierten Stutenestrogenen und dem Gestagen MPA vorzeitig abgebrochen. Das öffentliche Interesse an den Ergebnissen war groß und der Einsatz der HRT ging deutlich zurück. US-amerikanische Forscher untersuchten daher die Einstellungen von Ärzten und Frauen zur Assoziation von HRT und Brustkrebsrisiko, um einen besseren Einblick in die offenen Fragen zu erhalten, die die WHI aufgeworfen hat.

Studiendesign

  • qualitative Studie
  • ausführliche telefonische Interviews mit 22 ambulant tätigen Ärzten und 45 Frauen mit aktueller oder erfolgter HRT
  • unter den Frauen 8 mit aktueller, kontinuierlicher HRT, 19 mit aktueller Therapie und versuchtem Abbruch sowie 18 mit kürzlichem Therapieende; 19 im Alter von 45-55 Jahren sowie 26 im Alter von 56-60 Jahren
  • unter den Ärzten 11 Internisten und Hausärzte sowie 11 Frauenärzte

Ergebnisse

  • sowohl Frauen als auch Ärzte waren sich des Brustkrebsrisikos bei HRT bewusst, was bei den meisten Ärzten und etwa der Hälfte der Anwenderinnen die Entscheidung beeinflusste, eine HRT zu beginnen bzw. fortzuführen
  • für manche Frauen war die Kontrolle der menopausalen Symptome besonders wichtig, sie maßen der Besserung der Beschwerden sogar mehr Bedeutung bei als dem potenziell erhöhten Brustkrebsrisiko
  • bei einigen Frauen Versuch des Therapieabbruchs - vor allem wegen erhöhtem Brustkrebsrisiko - nicht erfolgreich, da Wiederauftreten der menopausalen Symptome
  • auch für Ärzte bleibt die Indikation für die HRT - trotz des erhöhten Brustkrebsrisikos - vor allem die Besserung der menopausalen Symptome
  • Ärzte waren sehr vorsichtig beim Verschreiben der HRT für Patientinnen mit hohem Brustkrebsrisiko, dabei zeigten sie sich unzufrieden über mangelnde effektive Alternativen für diese Frauen
  • Bedenken gegenüber Langzeitanwendung der HRT bei einigen Ärzten hauptsächlich aufgrund des Brustkrebsrisikos, dennoch Bereitschaft, Wünsche der Patientin zu berücksichtigen
  • Ergebnisse der WHI waren bei den meisten Ärzten und vielen Nutzerinnen präsent; sie beeinflussten die Einstellung gegenüber HRT offenbar, dennoch bestanden Zweifel in beiden Gruppen über Studienresultate und deren Konsequenzen

Fazit

Nach den Ergebnissen der WHI berücksichtigen sowohl Ärzte als auch Anwenderinnen verstärkt Bedenken hinsichtlich eines Mammakarzinomrisikos bei der Entscheidung, eine HRT anzufangen bzw. fortzuführen. Menopausale Symptome sind dennoch für beide Gruppen oft der ausschlaggebende Grund für den Beginn einer HRT.

Quelle:

Nekhlyudov L, et al. Physicians' and women's views on hormone therapy and breast cancer risk after the WHI: A qualitative study. Women Health. 2009;49:280-93
Medline-Abstract



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