WHI: HRT und Lungenkrebsrisiko

Hintergrund und Studienziel

Nach Abbruch der Therapiephase der WHI mit einer mittleren Studiendauer von 5,6 Jahren folgte ein Beobachtungszeitraum von durchschnittlich 2,4 Jahren, in dem die Teilnehmerinnen keine Therapie mehr erhielten. In dieser Zeit waren bei den Frauen, die eine kombinierte Hormonersatztherapie (HRT) angewendet hatten, gegenüber der ehemaligen Placebogruppe mehr Todesfälle festzustellen. Die meisten Todesfälle waren krebsbedingt, ließen sich aber nicht auf Krebsarten zurückführen, die das Studienprotokoll beinhaltet hatte, wie kolorektale, Mamma-, Endometrium- oder Ovarialkarzinome. Da in der ehemaligen Verumgruppe allerdings mehr Lungenkrebstodesfälle als in der Placebogruppe zu verzeichnen waren, gingen die WHI-Autoren in einer Post-hoc-Analyse des gesamten Untersuchungszeitraums der Frage nach, ob die kombinierte HRT das Risiko für Lungenkrebs erhöht.

Studiendesign

  • WHI: randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Multicenter-Studie mit 16.608 postmenopausalen Frauen mit intaktem Uterus im Alter zwischen 50 und 79 Jahren
  • 8.506 Teilnehmerinnen unter kombinierter HRT aus 0,625 mg konjugiertem equinen Östrogen (CEE) und 2,5 mg Medroxyprogesteronacetat (MPA)
  • 8.102 Frauen in Placebogruppe
  • Post-hoc-Analyse von durchschnittlich 7,9 Jahren bestehend aus Studien- und nachfolgender Beobachtungsphase

Ergebnisse

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Abb. 1: Kaplan-Meier-Darstellung der kumulativen Risiken für Tod aufgrund von Lungenkrebs unter kombinierter HRT bzw. Placebo [nach Chlebowski RT, et al. 2009].
  • 109 Frauen mit Bronchialkarzinom unter HRT und 85 unter Placebo - kein signifikanter Unterschied: jährliche Inzidenz von 0,16% bzw. 0,13%, Hazard Ratio (HR) 1,23, p=0,16
  • Nicht-kleinzelliges Bronchialkarzinom (NSCLC) in beiden Gruppen etwa gleich häufig: 96 in der Verum- gegenüber 72 in der Placebogruppe (0,14 bzw. 0,11%, HR 1,28, p=0,12), wobei die Kurven nach fünf Jahren Therapie auseinandergingen und dann unter HRT mehr NSCLC zu verzeichnen waren
  • Je 13 Frauen mit kleinzelligem Bronchialkarzinom (SCLC) in beiden Gruppen (je 0,02%, HR 0,96, p=0,91)
  • Signifikant mehr Todesfälle von Lungenkrebs-Patientinnen in der HRT- (n=78) als in der Placebo-Gruppe (n=49) (HR 1,50, p=0,03), von denen 73 (94%) bzw. 40 (82%) unmittelbar mit dem Bronchialkarzinom zusammenhingen (HR 1,71, p=0,01; Abb. 1)
  • NSCLC-Mortalität unter kombinierter HRT (n=62) höher als unter Placebo (n=31) (HR 1,87, p=0,004)
  • Keine Unterschiede bezüglich SCLC-Mortalität
  • Das absolute Risiko, an Lungenkrebs zu versterben, war vor allem bei Frauen erhöht, die rauchten (Verum: 3,42% versus Placebo: 2,39%) oder in der Vergangenheit geraucht hatten (Verum: 0,95% versus Placebo: 0,51%) im Vergleich zu Nichtraucherinnen (Verum: 0,22% versus Placebo: 0,10%).

Fazit

Die Analyse zeigt, dass eine kombinierte HRT aus CEE und MPA bei postmenopausalen Frauen die Lungenkrebs-Inzidenz nicht zu erhöhen scheint. Jedoch hat sie offenbar Auswirkungen auf die Mortalität besonders von Patientinnen mit NSCLC, die unter einer solchen HRT zunehmen kann. Als eine mögliche Erklärung führen die Autoren stimulierende Effekte von Östrogen auf die Angiogenese an, die bei Brust-, aber auch bei Lungenkrebs eine Rolle zu spielen scheinen. Eine weitere potentielle Erklärung könnte – ähnlich wie bei der Mammographie - eine verzögerte Diagnose aufgrund einer schlechteren Nachweisbarkeit der Läsionen in der Lunge unter HRT sein. Die Erkenntnisse sind nach Ansicht der Arbeitsgruppe vor allem wichtig für postmenopausale Frauen mit einem hohen Lungenkrebs-Risiko, z.B. Raucherinnen, und sollten bei der Entscheidung über Beginn oder Fortsetzen einer kombinierten HRT berücksichtigt werden.

Quelle:

Chlebowski RT, et al. Oestrogen plus progestin and lung cancer in postmenopausal women (Women's Health Initiative trial): a post-hoc analysis of a randomised controlled trial. Lancet. 2009;374:1243-51
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