2010: Positionspapier der North American Menopause Society zur HRT

Hintergrund und Studienziel

Die nordamerikanische Menopausen-Gesellschaft (NAMS) überarbeitete ihr zuletzt 2008 veröffentlichtes Positionspapier, um aktuelle Erkenntnisse in ihre Empfehlungen einfließen zu lassen.

Studiendesign

  • Durchsicht und kritische Prüfung des Positionspapiers von 2008 durch Beirat bestehend aus klinischen und forschenden Experten auf dem Gebiet der Frauengesundheit
  • Umfassende Suche nach und Evaluation der relevanten Publikationen, die nach Erscheinen des Positionspapiers von 2008 veröffentlicht wurden
  • Durchführung einer evidenzbasierten Analyse
  • Bestreben, einheitliche Hormontherapie-(HT)-Empfehlungen zu erreichen

Ergebnisse

  • Wie gehabt sollte die HT-Anwendung in Abhängigkeit von individuellen Therapiezielen, Nutzen und Risiken erfolgen.
  • Das Nutzen-Risiko-Verhältnis verändert sich mit zunehmendem Alter und den menopausalbedingten Symptomen der einzelnen Frau.
  • Unverändert ist eine HT mit oder ohne Gestagenkomponente die effektivste Behandlung vasomotorischer Symptome; die Therapie moderater bis schwerer Symptome stellt weiterhin die Hauptindikation dar. Eine Verminderung menopausaler Symptome kann die Lebensqualität erhöhen.
  • Der Zeitpunkt des HT-Beginns ist in Relation zur Menopause offenbar von Bedeutung; ein früher Beginn scheint die Gesamtmortalitätsrate und das Risiko für koronare Herzkrankheit zu senken, wobei jedoch auch andere Faktoren wie das Brustkrebsrisiko zu berücksichtigen sind.
  • Die Häufigkeit von Brustkrebsdiagnosen ist unter einer Estrogen-Gestagen-Therapie über mehr als 3 - 5 Jahre erhöht. Reanalysen der Daten der WHI-Studie sowie der E3N-Studie ergaben erhöhte Brustkrebsrisiken bereits bei kurzfristiger Anwendung (< 5 Jahre), wenn diese nah zum Zeitpunkt der Menopause begonnen wird (kurze „Gap-Time“). Eine Ausnahme bildeten in der E3N-Studie Kombinationen mit mikronisiertem Progesteron, deren Anwendung über bis zu 5 Jahre nicht mit einer Erhöhung des Brustkrebsrisikos assoziiert war.
  • Daten aus Beobachtungsstudien verweisen auf ein erhöhtes Risiko für Eierstockkrebs vor allem nach längerfristiger HT. Frauen mit einer positiven Familienanamnese sollten über diesen Zusammenhang informiert werden.
  • Bei Beachtung aktueller Daten einschließlich der WHI kann eine Estrogen-Gestagen-Therapie bei älteren Frauen (> 60 Jahre), die rauchen oder früher geraucht haben, das Wachstum bereits bestehender Bronchialkarzinome fördern. Eine diesbezügliche Überwachung kann angezeigt sein.
  • Unverändert sieht die NAMS keine Hinweise, dass eine bestimmte Applikationsform der systemischen Östrogen-Therapie einer anderen Applikationsform klar überlegen ist; die nicht orale Anwendung ist mit Vor- und Nachteilen behaftet:
    • Unter transdermaler Östrogen-Therapie keine signifikante Triglyzeriderhöhung, keine Änderung der Konzentration des C-reaktiven Proteins, keine Zunahme von Geschlechtshormon-bindendem Globulin und wenig Einfluss auf Blutdruck
    • Unter transdermaler Östrogen-Therapie eventuell niedrigeres Risiko für Thromboembolien als unter oraler Therapie; allerdings fehlen Ergebnisse aus randomisierten, kontrollierten Studien
    • Der Gestageneinsatz sollte unter Beachtung eines ausreichenden Endometriumschutzes minimiert werden.
  • Die NAMS akzeptiert unverändert den Begriff bioidentische Hormone für regulär zugelassene Arzneimittel mit Wirkstoffen, die identisch mit den von Frauen vor allem in den Eierstöcken produzierten Hormonen sind, also für Arzneimittel mit Estradiol oder Progesteron. Sie hat jedoch Vorbehalte gegen von Apotheken gefertigte bioidentische Hormonpräparate.
  • Die NAMS sieht keine hinreichende Evidenz für bestimmte Empfehlungen zur Beendigung einer HT (abrupt oder ausschleichend). In etwa 50% ist mit einer Rückkehr von Symptomen zu rechnen. Auch sollte ein nach HT-Ende wieder verstärkter Knochenmasseverlust überwacht werden.

Fazit

Nach Sichtung und Bewertung der aktuellen Literatur kommt die NAMS im Vergleich zum Positionspapier 2008 zu einem identischen Resümee: Die absoluten Risiken einer HT sind gering, insbesondere für jüngere Frauen und solche mit geringem Ausgangsrisiko für kardiovaskuläre Erkrankungen, Osteoporose, Brust- oder Darmkrebs. Unverändert wird die HT als effektivste Form der Behandlung von Menopause-Beschwerden gesehen. Eine Verminderung menopausaler Symptome kann die Lebensqualität erhöhen. Der längerfristige Einsatz einer HT zur Osteoporose-Prävention ist weiterhin möglich, insbesondere wenn er bereits früh nach der Menopause erforderlich ist. Die NAMS erwähnt erstmals eine mögliche promovierende Wirkung auf Eierstock- bzw. Lungenkrebs als seltenes bis sehr seltenes Risiko einer HT, was vor allem bei positiver Familienanamnese bzw. älteren Raucherinnen zu beachten ist. Nach Abbruch einer HT sollte auf ein erneutes Auftreten vasomotorischer Beschwerden und einen verstärkten Knochenmasseverlust geachtet werden.
Das vollständige NAMS-Positionspapier finden Sie unter: Zum Thema / Leitlinien/Stellungnahmen.

Quelle:

Estrogen and progestogen use in postmenopausal women: 2010 position statement of The North American Menopause Society. Menopause. 2010;17(2):242-55
Medline-Abstract



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