EPIC: Brustkrebsrisiko und kombinierte HRT

Hintergrund und Studienziel

Die Art einer kombinierten Hormonersatztherapie (HRT) aus Östrogen und Gestagen scheint einen Einfluss auf das Brustkrebsrisiko zu haben. Europäische Wissenschaftler analysierten daher erstmals die Daten der EPIC-Kohorte (European Prospective Investigation into Cancer and nutrition) dahingehend, welche HRT mit welchem Brustkrebsrisiko einhergeht.

Studiendesign

  • Daten von 133.744 postmenopausalen Frauen aus acht europäischen Ländern der prospektiven multizentrischen EPIC-Studie; Durchschnittsalter 58,1 Jahre, keine Krebserkrankung
  • Beantwortung länderspezifischer Fragebögen zu Untersuchungsbeginn, einschließlich Angaben zur HRT
  • Daten zur Brustkrebsinzidenz aus nationalen Krebsregistern oder im Rahmen einer aktiven Nachbeobachtung gewonnen
  • Mittlerer Beobachtungszeitraum 8,6 ± 2,3 Jahre

Ergebnisse

  • 4.312 inzidente Brustkrebsdiagnosen (in 1.153.747 Personenjahren)
  • Verglichen mit Frauen, die niemals eine HRT erhalten hatten, höheres Brustkrebsrisiko bei Frauen unter aktueller alleiniger Östrogen-HRT: Relatives Risiko (RR) 1,42, 95%-Konfidenzintervall (CI) 1,23-1,64 und unter aktueller kombinierter HRT: RR 1,77 (CI 1,40-2,24)
  • Signifikant höheres Risiko unter aktueller kombinierter HRT vs. alleiniger Östrogen-HRT (p=0,02)
  • Höheres Brustkrebsrisiko bei Frauen mit HRT in der Vergangenheit gegenüber Frauen, die niemals eine HRT erhalten hatten: RR 1,16 (CI 1,06-1,28)
  • Bei alleiniger Östrogen-HRT kein signifikanter Unterschied zwischen konjugierten equinen Östrogenen (CEE) und Estradiol: RR 1,15 (CI 0,78-1,69) sowie zwischen oraler und kutaner (außer Vaginalcreme) Anwendung: RR 1,13 (CI 0,80-1,59)
  • Erhöhtes Brustkrebsrisiko unter kontinuierlicher gegenüber sequenzieller kombinierter HRT: RR 1,33 (CI 1,08-1,65
  • Bei sequenzieller kombinierter HRT keine deutlichen Unterschiede bezüglich des Brustkrebsrisikos zwischen Gestagenklassen (Testosteron- im Vergleich zu Progesteronabkömmlingen)
  • Entsprechende Auswertung der Gestagene bei kontinuierlicher kombinierter HRT nicht möglich, da ganz überwiegend Testosteronabkömmlinge verwendet wurden

Fazit

Nach den Ergebnissen dieser großen Kohortenstudie ist das Brustkrebsrisiko bei Anwendung einer kontinuierlich kombinierten HRT am höchsten und signifikant höher als bei Anwendung einer sequenziell kombinierten HRT, wobei insgesamt die kumulative Gestagendosis relevanter scheint als der verwendete Gestagentyp. Jedoch war auch die alleinige Östrogenanwendung mit einer signifikanten Erhöhung des Brustkrebsrisikos verbunden. Weitere Studien sollten den Einfluss der Gestagene näher untersuchen und dabei jene Kombinationsregime identifizieren, welche bei angemessenem Endometriumschutz die vergleichsweise geringsten nachteiligen Effekte auf die Brust haben, so die Autoren.

Quelle:

Bakken K, et al. Menopausal Hormone Therapy and breast cancer risk: Impact of different treatments. The European Prospective Investigation into Cancer and nutrition (EPIC). Int J Cancer. 2010 Mar 15. [Epub ahead of print]
Medline-Abstract



Zertifizierte Fortbildungen für Ärzte

Informieren Sie sich über aktuelle Fortbildungstermine der AGeP, der Gyn-Depesche und von Gynäkologie kompakt.
mehr

Präventivmedizin

Ärzte die eine Fortbildung in Präventivmedizin absolviert haben, werden in der Arztsuche von Dr. Kade gelistet.
Arztsuche-Präventivmedizin

Link-Tipps

logo_gsaam Gelangen Sie hier direkt auf die Homepage der GSAAM - der deutschen Gesellschaft für Prävention und Anti-Aging-Medizin GSAAM


Gelangen Sie hier direkt auf die Homepage der AGeP - der Akademie für Gesundheitsförderung und Prävention AGeP