
Diagnose der Wechseljahre
Wegweisende Untersuchungen
Blutungsunregelmäßigkeiten und typische Beschwerden gepaart mit dem Lebensalter - in vielen Fällen reicht bereits eine gründliche Anamnese aus, um den Eintritt der Wechseljahre festzustellen. Vereinzelt sind jedoch darüber hinaus auch Hormonuntersuchungen sinnvoll.
Im Normalfall ist eine Anamnese, bei der Zyklusveränderungen und klimakterische Beschwerden erfasst werden, ausreichend, um die Diagnose Wechseljahre zu stellen. Neben Blutungsunregelmäßigkeiten sind Hitzewallungen das Leitsymptom. Der Zeitpunkt der Menopause kann erst im Nachhinein festgelegt werden, wenn über einen Zeitraum von zwölf Monaten die Regel ausgeblieben ist.
Schwierigkeiten ergeben sich bei Frauen, die sich einer Hysterektomie unterzogen haben, da sie keine Blutungen mehr haben. Schätzungen zufolge musste in Deutschland nahezu jede fünfte Frau im Alter von 50 Jahren diesen Eingriff vornehmen lassen [1].
Auch bei Frauen, die weiter hormonelle Kontrazeptiva anwenden, kann die Diagnose Wechseljahre oder Menopause erschwert sein, da es sich bei den auftretenden Blutungen nur um Entzugsblutungen und nicht vom Ovar gesteuerte reguläre Menstruationen handelt.
Hormonbestimmungen
Sind die von der Patientin geschilderten Beschwerden uneindeutig (insbesondere bei hysterektomierten Frauen), kann eine Bestimmung von FSH (Follikel-stimulierendes Hormon) erfolgen. Allerdings ist die Aussagekraft dieser Untersuchung beschränkt, da sie die Ovarialfunktion nur zu einem bestimmten Zeitpunkt erfasst.
So ist bei Vorliegen von Normalwerten nicht auszuschließen, dass sich die Patientin bereits in der perimenopausalen Übergangsphase befindet. Umgekehrt sind erhöhte FSH-Werte noch kein Beweis dafür, dass die Menopause eingetreten ist.
Generell empfiehlt sich die Bestimmung folgender Parameter:
- 17β-Östradiol (Abschätzung der ovariellen Östrogenakivität)
- FSH (Bestätigung des Eintritts der Menopause)
- Prolaktin (Ausschluss eines Prolaktinoms, das eine relative Kontraindikation zur Hormonersatztherapie wäre)
- Testosteron
- DHEAS (Dehydroepiandrosteronsulfat)
- Schilddrüsenparameter (Ausschluss einer Schilddrüsenerkrankung, die klimakterische Beschwerden imitieren kann)
FSH und Östradiol
Mögliche Konstellationen hinsichtlich der FSH- und Östradiol-Werte sind:
- FSH und Östradiol erhöht: Häufig zu Beginn des Klimakteriums; oft gekennzeichnet durch anovulatorische Zyklen.
- FSH erhöht, Östradiol erniedrigt: Die klassische Konstellation, die das Versiegen der Ovarialfunktion anzeigt; sie kann vor allem in der Perimenopause noch passager sein.
- FSH und Östradiol normal: Liegen dennoch klimakterische Beschwerden vor, ist eine differenzialdiagnostische Abklärung notwendig, um beispielsweise eine Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion auszuschließen.
Differenzialdiagnostische Abklärung
Vasomotorische und vegetative Beschwerden sollten differenzialdiagnostisch gründlich von anderen möglichen Erkrankungen wie Schlafstörungen, Depression oder Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes mellitus, Schilddrüsenerkrankungen) abgegrenzt werden. Bei Frauen mit vorzeitiger Menopause wird zudem eine weiterführende Diagnostik empfohlen, um systemische Grunderkrankungen als Ursache auszuschließen.
Nach Informationen von:
"Hormontherapie im Klimakterium", Therapieempfehlungen der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft, Arzneiverordnung in der Praxis, Band 30, Sonderheft 2 (Therapieempfehlungen), 1. Auflage 2003
AKH-Consilium der Medizinischen Universität Wien (www.akh-consilium.at)
Leidenberger F, et al. (Hrsg.): "Klinische Endokrinologie für Frauenärzte", Springer Verlag, 2005

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