
Symptome der Wechseljahre
Von Hitzewallungen bis Osteoporose
Das Klimakterium ist eine physiologische Lebensphase und hat daher keinen Krankheitswert an sich. Allerdings kann es vielfältige Beschwerden bei den betroffenen Frauen auslösen, etwa Hitzewallungen, depressive Verstimmungen oder Schlafstörungen.
Das Klimakterium an sich hat keinen Krankheitswert, es ist eine physiologische Lebensphase. Allerdings kann es aufgrund des zunehmenden Mangels an Sexualhormonen zu vielfältigen Beschwerden bei den Betroffenen kommen. Etwa ein Viertel bis ein Drittel aller Frauen haben keine oder nur schwache klimakterische Beschwerden. Die Mehrheit der Frauen hat Beschwerden, 20 Prozent empfinden die auftretenden Symptome als stark und zehn Prozent leiden so ausgeprägt, dass sie unter Umständen sogar arbeitsunfähig werden [1,2].
Hitzewallungen
Hitzewallungen gehören zu den häufigsten klimakterischen Beschwerden und gelten daher als Leitsymptom. Ihre Genese ist bis heute nicht vollständig aufgeklärt. Vermutet wird eine veränderte Thermoregulation seitens des Hypothalamus aufgrund des Östrogenabfalls. Allerdings erleben bei Östrogenmangel längst nicht alle Frauen Hitzewallungen. Zudem sind Hitzewallungen nicht geschlechtsspezifisch, auch gesunde Männer im Alter zwischen 55 und 75 Jahren können hiervor betroffen sein [2].
Unter Hitzewallungen werden plötzliche, potenziell zu jeder Tageszeit auftretende Hautrötungen in der oberen Körperhälfte („flush“) verstanden, die von einer stark ausgeprägten Transpiration in diesem Bereich gefolgt sind. Oft beginnt das Hitzegefühl im Brustbereich und breitet sich über die Oberarme, den Hals und das Gesicht aus. Begleitend können Tachykardie, vorübergehender Blutdruckanstieg, Schwindel und Beklemmungsgefühl mit Herzbeschwerden auftreten. Die einzelnen Hitzewallungen dauern meist wenige Minuten, maximal bis zu einer Stunde. Einige Frauen erleben nur vereinzelte Episoden, bei anderen treten die Wallungen bis zu 30 mal innerhalb von 24 Stunden auf. Nachts führen die Hitzewallungen nicht selten zu Ein- und Durchschlafstörungen.
Am häufigsten betroffen sind perimenopausale Frauen – bei ihnen beträgt der Anteil mit Hitzewallungen etwa 10 bis 50 Prozent. Die Beschwerden bilden sich meist innerhalb der ersten Jahre nach der Menopause zurück, können allerdings auch noch vier bis fünf Jahre später auftreten. In einer der umfangreichsten und längsten prospektiven Studien, die 430.000 schwedische Frauen einschloss und 1968 begann, wurde die maximale Prävalenz von Hitzewallungen im Alter von 52-54 Jahren beobachtet. Doch auch im Alter von 60, 66 bzw. 72 Jahren erlebten noch 30, 15 bzw. neun Prozent der Frauen dieses Symptom [2].
Unspezifische zentralnervöse Beschwerden
Zu möglichen unspezifischen Symptomen in den Wechseljahren gehören allgemeine Reizbarkeit, Nervosität, Müdigkeit, abnehmende Belastbarkeit, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit sowie Gelenk- und Rückenbeschwerden ohne erkennbare organische Ursachen.
Depression
Bezüglich einer Zunahme der Häufigkeit von Depression im Klimakterium ist die Studienlage nicht eindeutig [2-6]. Mehrfach bestätigt wurde ein Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Depressionen in den Wechseljahren und Depressionen in der Vorgeschichte bzw. kognitiven und sozialen Faktoren [2,3]. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass eine verlängerte perimenopausale Phase mit einem gehäuften Risiko für Depression einhergeht [4].
Schlafstörungen
Die Häufigkeit von Schlafstörungen nimmt sowohl bei Frauen als auch bei Männern mit dem Alter zu. Bei postmenopausalen Frauen sind sie demnach häufiger als bei prämenopausalen Frauen [2]. Die beschriebenen Schlafstörungen (verlängerte Einschlafphase, längere Wachphasen, verkürzte REM-Schlafphasen, Abnahme der Schlaftiefe und Abnahme der Gesamtschlafdauer) sind jedoch keinesfalls wechseljahresspezifisch. Untersuchungen in Schlaflabors zeigen zudem, dass oft wenig Übereinstimmung zwischen der subjektiv empfundenen und der objektivierbaren Schlafqualität besteht.
Urogenitale Symptome
Zu Beschwerden im Urogenitaltrakt, die infolge eines Östrogenmangels auftreten können, gehören rezidivierende Harnwegsinfekte, Harninkontinenz und vaginale Atrophie. Sie liegen oft vergesellschaftet vor und etablieren sich meist erst Jahre nach dem Auftreten der vasomotorischen Symptome. Bei sexuell aktiven Frauen scheint die vaginale Atrophie seltener vorzukommen. Zudem treten Harnwegsbeschwerden wie häufige Infektionen, Dysurie, Harndrang und Harninkontinenz auch bei jüngeren Frauen auf - deshalb werden sie nicht als Symptome der Wechseljahre im engeren Sinne aufgefasst. Haben sich die Symptome erst einmal entwickelt, nimmt ihre Häufigkeit in der Regel nicht wieder mit zunehmendem Abstand von der Menopause ab.
Sexualität
Grundsätzlich bleiben der Wunsch nach Sexualverkehr und die sexuelle Erlebnisfähigkeit bei Frauen bis ins hohe Alter erhalten. Sie können jedoch durch die Verminderung der Ovarialfunktion im Klimakterium beeinträchtigt werden. So bevorzugen Frauen mit zunehmendem Lebensalter oft andere Formen sexueller Stimulierung als den klassischen Geschlechtsverkehr und zeigen ein höheres Interesse am Austausch von Zärtlichkeiten [6]. Andererseits berichten manche Frauen in der Postmenopause auch über gesteigerte sexuelle Aktivitäten [2].
Neben dem Östrogenmangel kommen verschiedene Faktoren als Ursachen für Änderungen im Sexualverhalten in Betracht, etwa der eigene Gesundheitszustand oder der des Partners, ein beeinträchtigtes Selbstwertgefühl durch einen vermeintlichen Verlust an Attraktivität infolge des Alterns, Beziehungskonflikte und ähnliches. Auch die Partnerschaft an sich hat einen großen Einfluss auf die sexuelle Aktivität im Alter. So sind 60- bis 70-jährige Frauen, die in einer festen Partnerschaft leben, achtmal so häufig sexuell aktiv wie Alleinstehende [6].
Osteoporose
Der Östrogenmangel führt zu einer Verschiebung des Gleichgewichts knochenauf- und -abbauender Prozesse zugunsten des Abbaus von Knochenmasse. Das Risiko für Osteoporose und einhergehend das Frakturrisiko nehmen daher in den Wechseljahren erheblich zu. So wurde im Rahmen der OPUS-Studie (Osteoporose und Ultraschall Studie) an zwei deutschen Zentren populationsbasiert bei etwa 1.000 Frauen ein altersassoziierter Anstieg der Osteoporose-Prävalenz (T-Wert < -2,5) von sieben Prozent im Alter von 55 Jahren auf 19 Prozent im Alter von 80 Jahren ermittelt [7].
Und in der EPOS-Studie (Europäische Prospektive Osteoporose Studie) nahm bei Frauen die Inzidenz von Wirbelfrakturen pro 1.000 Personenjahre von 5,8 in der Altersgruppe der 50- bis 54-Jährigen auf 29,3 bei den 75- bis 79-Jährigen zu [7]. Etwa zehn Jahre nach der Menopause verlangsamt sich das Tempo des Knochenmasseverlustes wieder [2].
Hautveränderungen
Welchen Einfluss der nach der Menopause bestehende Östrogenmangel auf die Alterungsprozesse der Haut (dünne, faltige Haut, stumpfe Haare) hat, ist derzeit noch unklar. Infolge des Überwiegens von Androgenen gegenüber Östrogenen kann es in den ersten Jahren nach der Menopause zu hirsuten Veränderungen wie Oberlippen- und seitlicher Gesichtsbehaarung kommen.
[1] Leidenberger F, et al. (Hrsg.): "Klinische Endokrinologie für Frauenärzte", Springer Verlag, 2005
[2] „Hormontherapie im Klimakterium“, Therapieempfehlungen der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft, Arzneiverordnung in der Praxis, Band 30, Sonderheft 2 (Therapieempfehlungen), 1. Auflage 2003
[3] Deecher D, et al. From menarche to menopause: exploring the underlying biology of depression in women experiencing hormonal changes. Psychoneuroendocrinology. 2008;33(1):3-17
[4] Avis NE, et al. A longitudinal analysis of the association between menopause and depression. Results from the Massachusetts Women's Health Study. Ann Epidemiol. 1994;4(3):214-20
[5] Cohen LS, et al. Risk for new onset of depression during the menopausal transition: the Harvard study of moods and cycles. Arch Gen Psychiatry. 2006;63(4):385-90
[6] Merbach M. et al. Partnerschaft und Sexualität in der zweiten Lebenshälfte. In: Fthenakis WE & Textor MR (Hrsg.): Online-Familienhandbuch, 2005
[7] „Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei Frauen ab der Menopause, bei Männern ab dem 60. Lebensjahr“. S3-Leitlinie des Dachverbands der Deutschsprachigen Wissenschaftlichen Osteologischen Gesellschaften e.V., 2006

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